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Mariastein 2017 sWenn der erste Schnee zur Jahreswende über den Wiesen und Feldern liegt, bietet es sich an, ein Schneelabyrinth zu laufen. Nicht im Labyrinth zu laufen, sondern in einer unberührten Schneefläche das Labyrinth als Fußspur zu hinterlassen.

In einem siebengängigen Labyrinth liegen die auf- und absteigenden Bögen um ein Zentrum, deshalb ist es wichtig, dieses Zentrum stets im Blick zu haben, und die Abfolge der Bögen im Kopf. Und nun geht es um die Verbindung zwischen einem Schneelabyrinth und einem bekannten Wallfahrtsort in der Schweiz, Mariastein.

Von Basel führt der Weg mit Tram und Bus in kurzer Zeit zur nächstgelegenen Höhe, wo man mit einem weiten Blick über die sanften weißen Hänge ins Solothurner Land belohnt wird. Dort liegt das Kloster Mariastein, das neben Einsiedeln der zweitgrößte Wallfahrtsort in der Schweiz ist. Das Kloster steht auf einem schroffen Hügel, von Flüh, im Tal gelegen, sieht es wie eine Festung aus.

Mariastein, Bild aus Wikipedia 4930 Gemaelde Mariastein Wappen Mariastein

Linkes Bild: Von Chris.urs-o - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39070667

In der Legende heißt es: " ... dass ein Hirtenjunge mit seiner Mutter auf dem Feld hoch auf dem Felsplateau, auf dem heute die Anlage steht, das Vieh hütete. Während die Mutter in der Mittagshitze in einer Höhle Schlaf suchte, wagte sich das Kind beim Spielen zu nah an die Klippe und fiel die steile Felswand hinunter. Als die Mutter erwachte, ihr Kind nicht mehr fand und ins Tal eilte, traf sie ihren Sohn dort unversehrt an.

Er berichtete, er sei von einer Frau aufgefangen worden. Der Vater des Kindes war sich sicher, dass es sich bei jener mysteriösen Frau, die ihm sein Sohn beschrieb, nur um die Erscheinung der Gottesmutter Maria handeln könne. Zum Dank für die Rettung liess er ihr zu Ehren eine Kapelle über der Höhle errichten, in der die Mutter geschlafen hatte; diese Stätte zog seither viele Pilger an. Die Legende ist 1442 erstmals bezeugt, mutmasslich aber etwa 100 Jahre älter." Wikipedia: Kloster Mariastein

Das Interessanteste für mich ist der tief unter der Klosterkirche gelegene Höhlenraum, 59 Stufen und ein langer Gang führen hinunter. Was mag es mit dieser Höhle auf sich haben? Auf einer Schautafel am Klosterplatz ist von einem „Heidenloch“ die Rede, auch von Fundstücken aus einer Siedlungszeit von vor 2500 Jahre v.u.Z.

Könnte es sich um um ein vorchristliches Quellheiligtum gehandelt haben oder um einen Schacht, ähnlich dem 55 Meter tiefen "Heidenloch" auf dem Heiligenberg in Heidelberg? Zählte Mariastein schon seit alter Zeit zu den Kraftorten, deren Ursprungsnamen wie Marienbad, Frauenbrünnerl oder Maulbronn darüber Auskunft geben?

Jedenfalls sind die Wände zur Marienhöhle hinunter mit Votivtafeln übersät, die Zeugnis davon ablegen, dass es sich tatsächlich um einen kraftvollen und heilbringenden Ort handeln muss.

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Ich finde, es lohnt sich, über eine Verbindung zwischen Wallfahrtsort und Labyrinth nachzudenken. Beide Male geht es um Plätze, die mehrfach umrundet oder umlaufen werden. Zu einem heiligen Ort wird gewallfahrt und gepilgert, Schritt für Schritt nähert man sich dem Zentrum, und so, wie im Labyrinth die Mitte umrundet wird, so wird eine heilige Quelle oder ein heiliger Berg umrundet.

Auf den Wegen nach Mariastein hinauf kommt man an kleinen geschmückten Grotten im Felsgestein vorbei und an Quellen, von denen eine der Heiligen Anna, der Mutter Marias, zugeordnet wird. Das Quellwasser ist überaus wohlschmeckend, sehr weich und süß, ich habe davon getrunken.

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An diesem Tag zum Jahreswechsel jedenfalls stiegen wir in Mariastein am Klosterplatz aus dem Bus und machten uns auf den Weg, dorthin, wo der Schnee unberührt über den Feldern und Wiesen lag, dort war es mir ein wahres Vergnügen, im Schnee die Windungen und Wendungen des Labyrinths als Spur zu hinterlassen. Und irgendwann läuteten die Glocken der Klosterkirche, der Wind wehte eiskalt durch das Tal, es war sehr schön dort oben.

Mariastein 42 Mariastein 41 schneelabyrinth mariastein 2016 - YouTube


Ein Nachtrag zum Schneelabyrinth: Das linke untere Bild zeigt das Labyrinth im Freizeitpark Grütt bei Lörrach unter frischem Schnee verborgen, es ist eines meiner Labyrinthprojekte aus dem Jahr 2003.

Das mittlere und rechte entstand als ein wirkliches Schneelabyrinth in einer eiskalten, stürmischen Winternacht 2005 in Lavin in Graubünden in der Schweiz, der Schnee war fest und lag hüfthoch, es war ein ziemliches Unterfangen, aber natürlich auch unvergesslich.

Schneelabyrinthe 1 Schneelabyrinth 2005 in Lavin in Graubünden, Schweiz Schneelabyrinth 2005 in Lavin in Graubünden, Schweiz