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Am 25. Mai fand an der Alice Salomon Hochschule in Berlin ein Symposion anlässlich des 80. Geburtstags von Silvia Schaub-Bernasconi statt – Thema: "Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession".

Der Stadtbezirk Marzahn-Hellersdorf gilt heute als sozialer Brennpunkt, nicht zuletzt deshalb wird die Hochschule dort ihren Platz eingenommen haben. Die Tramfahrt vom Alexanderplatz nach Hellersdorf über Friedrichshain, Lichtenberg und Marzahn führte an den Plattenbauten entlang, die seit den 70er Jahren in der DDR errichtet worden waren.

Die Gleichförmigkeit der Wohnblöcke und die Vorträge am Symposion ließen mir die Fragen in den Sinn kommen, warum von den fünf Labyrinthen in Berlin vier in diesem Umfeld zu finden sind und in welchem Verhältnis die Labyrinthe und Plattenbauten miteinander stehen, die Planbauten waren. Der sozialistische Plan wird die Standarisierung von Bauelementen aus Kostenersparnis im Blick gehabt haben, nicht minder aber die geringe individuelle Gestaltungsmöglichkeit der Wohnanlagen.

Damit verschwinden zwar Klassenunterschiede aus dem Leben, aber damit verschwindet auch das Individuelle aus dem Leben. Und das hat zur Folge, dass das Individuelle zur Bedrohung wird, zu etwas Fremden und Feindlichen, gegen das man sich zu wehren hat. Womöglich ist das einer der Funken, der einen "sozialen Brennpunkt" zur politischen Gefahr werden lässt.

soziale Brennpunkte 1s soziale Brennpunkte 2s soziale Brennpunkte 3s

Labyrinthe sind voller Überraschungen

Kommt dann ein Labyrinth gerade recht? Vielleicht, jedenfalls kann es dazu beitragen, dass lebendiges Dasein nicht nach Plan von A nach B und auf direktem Weg zu erfahren ist, sondern wie in einem Labyrinth irritierend und überraschend mit Windungen und Wendungen im ständigen Auf und Ab und Hin und Her. Auch die Begegnungen im Labyrinth sind voller Überraschungen, und das Unvorhersehbare kann dazu beitragen, dass das Herz leicht wird und der Geist frei.

Am Tag darauf machte ich mich auf den Weg nach Pankow, Hellersdorf und Marzahn, um vier Labyrinthe zu besuchen. Aber auch das verlief nicht nach Plan, so, wie ich es mir vorgestellt hatte, auch das war das Schöne daran. Zunächst fuhr ich mit der Tram 13 nach Pankow zur Parkklinik Weißensee.

Das Hainbuchenlabyrinth in Pankow

Hainbuchenlabyrinth 1s Hainbuchenlabyrinth 2s Hainbuchenlabyrinth 3s Hainbuchenlabyrinth 4s Gang durch das Hainbuchenlabyrinth

Das kleine Hainbuchenlabyrinth liegt unter großen Bäumen im Park hinter der Klinik, ein idyllischer Ort der Ruhe und Erholung, der für die dort anwesenden PatientInnen eine positive Wirkung ausüben wird. Ich habe mich in dem leuchtend grünen Labyrinth, das wie ein Ohr angelegt wurde, sehr wohl und behütet gefühlt. Die Vögel sangen und die Luft war frisch und rein nach dem nächtlichen Regen, der die Buchenblätter glänzen ließ.

Das Rasenlabyrinth  in Hellersdorf

Danach ging es nach Hellersdorf zum Jugendspielplatz Zossener Straße. Ein Labyrinth konnte ich dort allerdings nicht zu finden. Nach den Angaben auf der Internetseite www.begehbare-labyrinthe.de wurde es im Jahr 1995 als Rasenlabyrinth mit Plastersteinen angelegt.

Hellersdorf 1s Hellersdorf 2s Hellersdorf 3s

Ist es vielleicht in den letzten 10 Jahren im Rasen versunken? Das ist möglich. Ein Labyrinth muss gepflegt und begangen werden, sonst wächst es zu, und dieser Jugendspielplatz war menschenleer, keine Kinder, keine Jugendlichen, aber voller Graffiti.

Bodenlabyrinth und Heckenirrgarten in Marzahn

Von Hellersdorf fuhr ich nach Marzahn zu den Gärten der Welt, wo ein Bodenlabyrinth und ein Heckenirrgarten angelegt worden waren.

Marzahn - Gärten der Welt Marzahn Bodenlabyrinth 2 Marzahn Bodenlabyrinth 2b Labyrinth von Chartre Marzahn Bodenlabyrinth 3bs Marzahn Bodenlabyrinth 3s Marzahn Bodenlabyrinth 1s

Von diesem Labyrinth nach dem Typ von Chartre hatte ich natürlich schon gehört, nur ist es so, dass mich dieser Typ Labyrinth nicht sehr interessiert. Ich finde das Labyrinth von Chartre ästhetisch schön und die Kathedrale beeindruckend, das Labyrinth jedoch wurde auf künstliche Art so verändert, dass es den Bahnen von Mond und Sonne nicht entspricht.

Das Chartre Labyrinth wurde gekreuzigt, sagt die Labyrinthforscherin Gundula Friedman, und dem stimme ich zu. Wie auch immer, nun wollte ich es gern sehen und auch den Irrgarten erleben.

Aber auch da gab es eine schöne Überraschung: Zum einen fand ich das Verwirrende des Bodenlabyrinths, in dem die Kinder begeistert umhersprangen, als Kontrapunkt absolut passend zur Monotonie der Plattenbauten, und zum anderen freute ich mich über die herumjagenden Kinder und die neugierigen Erwachsenen, denen ich auf den Gängen im Irrgarten begegnete.

Marzahn Heckenirrgarten 1 Marzahn Heckenirrgarten 2s Marzahn Heckenirrgarten 3s Marzahn Heckenirrgarten 4s

Dieses Labyrinth und der Irrgarten haben etwas an sich, das in Hellersdorf-Marzahn von Wert ist, weil die beiden Anlagen eben nicht wohl geordnet sind, sondern sehr verwirrend, in diesem Fall ist das gut so.

Ein siebengängiges Labyrinth in Friedrichshain

Später ging es nach Friedrichshain, dort sollte es ein siebengängiges Labyrinth hinter dem früheren Postbahnhof geben. Doch da war nichts, absolut nichts außer Baustellen, Hochbauten, Bauzäunen, Lagerhallen, Schienensträngen, Ruinen, Sackgassen, Parkplätzen und Schrotthalden.

Friedrichshain 1 Friedrichshain 2 Friedrichshain 3 Friedrichshain 4

Daraufhin fragte ich bei den Organisatoren CABUWAZI Grenzkultur gGmbH, die das Labyrinth im Jahr 2009 errichtet hatten, wo es denn zu finden sei, und erhielt umgehend die Nachricht, dass es den Baustellen weichen musste, und dass es im Juli an einem anderem Ort aufgebaut wird, das ist doch erfreulich

Das Südender Labyrinth in Steglitz-Zehlendorf

Wie war es mit dem Labyrinth im früheren Westen, im Bezirk Steglitz-Zehlendorf? Das war leicht zu finden: Mit der S 41 bis zum Südkreuz, mit der S 25 bis Südende, 3 Minuten Fußweg, und da lag es dann schön hinter einer nicht sonderlich schönen Kirche.

Südender Labyrinth 1 Suedender Labyrinth 2 Suedender Labyrinth 3 Suedender Labyrinth 4

In diesem Südender Labyrinth, das im Jahr 2006 aus einem kirchenpädagogischen Projekt heraus "Mit allen Sinnen Kirche entdecken" aus großen Pflastersteinen angelegt wurde, bin ich einige Male hin und her gegangen. Es war ganz still, ein Vogel sangen ab und zu, Klänge wehten aus der Kirche, kein Mensch war zu sehen, und das war alles.

Ich fand es schön, in dem schlichten Labyrinth an solch einem beruhigenden Ort zu verweilen, und ich nehme an, dass es den Bewohnern der Nachbarschaft gefällt, weil die Labyrinthpfade ausgetreten waren, und das ist ja der Sinn des Ganzen. Durch ein Labyrinth muss man gehen, nicht verweilen, einfach nur gehen, dann erschließt sich das Zyklische, in dem wir auf der Erde leben, von den Bahnen von Sonne und Mond umgeben, die sich im Labyrinth widerspiegeln.