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Mondsichel(Foto: Anthony Hall – Fotolia.com)Am 8. Februar 2016 um 14.40 Uhr ist Neumondanfang. Dann erscheint die Mondsichel drei Tage lang nach Sonnenuntergang am frühen Abendhimmel und dann nimmt das Jahreslicht Tag für Tag sprunghaft zu. Zwischen der Wintersonnenwende am 21. Dezember und dieser Zeit bis zum 2. Neumond liegt eine besondere Zwischenzeit: "Die Zeit zwischen den Jahren".

Die Zeit zwischen den Jahren ist in der Natur eine Zeit der Stille, da haben wir eine Entsprechung. Die Natur hält den Atem an, die Pflanzensäfte ziehen sich zurück, die stille Welt harrt der Sonne. Die Zeit zwischen den Jahren wird auf frühere Ackerbaukulturen zurückzuführen sein, ein volkstümlicher Wert hat sich aber bis heute erhalten. Die Zeit zwischen den Jahren ist eine Zeit der Besinnung und Ruhe, so heißt es. Stimmt das? Auf jeden Fall hat sie mit einem bestimmten Zeitraum zum Jahreswechsel zu tun. Ist es die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr? Oder die Zeit zwischen Weihnachten und Drei Könige? Oder sind es die Raunächte? Oder eine Kalendertradition? Im gregorianischen Kalender gibt es allerdings keine einzige Sekunde für Ruhe und Besinnlichkeit zwischen den Jahren. Punkt 24.00 Uhr fängt das neue Jahr an, im Bruchteil einer Sekunde, mit einem Knall. Silvester 2015 war ich in Berlin, die Luft war zum Schneiden. Böller, Kracher, Feuerwerk.

Eine Zeit zwischen den Jahren impliziert einen Zeitraum von bestimmter Länge und damit wird er zu einer Zeit der Stille, zu einem zeitlosen Raum. Ein Blick auf historische Kalendertraditionen, insbesondere auf den Jahresanfang im Monat Januar, hilft auf die Sprünge. Der Januar mit 31 Tagen wurde von Julius Cäsar 47 v. u. Z. in einer Kalenderreform eingeführt. Der julianische Kalender war eine echte Revolution und er wurde bekämpft, denn damit wurden alle lunisolaren Kalendertraditionen zunichte gemacht. Aber: bis heute hat er Gültigkeit und auf ihm beruht der gregorianische Kalender seit der Zeitkorrektur im Jahre 1582. Natürlich war der Monat Januarius einem bestimmten römischen Gott gewidmet und das war Janus. Nun ist es aber so, dass ursprünglich alle Monate und Wochen und Tage Göttinnen und Göttern gewidmet wurden, aber das ist ein Kapitel für sich.

Gott Janus sHier geht es nun um die Zeit zwischen den Jahren und um den Gott Janus. Der hatte eine Besonderheit und das war seine Doppelgesichtigkeit. Mit zwei Gesichtern konnte er gleichzeitig in die Vergangenheit und Zukunft sehen.

Bei Wikipedia heißt es: "Janus war ursprünglich ein Licht- und Sonnengott, das männliche Gegenbild der Jana oder Diana, und wurde erst allmählich zum Gott allen Ursprungs, des Anfangs und des Endes, der Ein- und Ausgänge, der Türen und der Tore, zum Vater aller Dinge (auch der Quellen) und aller Götter. Sein Name gehört zur gleichen Wortfamilie wie ianua, der lateinischen Bezeichnung für Tür und ianus für jeden unverschlossenen gewölbten Durchgang. Nach ihm ist auch der Monat Januar benannt. Alle Kalenderdaten, die Anfänge symbolisierten (sog. Kalenden), waren ihm gewidmet." – wikipedia.org/wiki/Janus

Janus sei das männliche Gegenbild von Jana oder Diana gewesen, heißt es, ich aber bin der Ansicht, dass Janus das patriarchale Gegenbild zur keltisch/frührömischen Göttin Januar Coeli war. Ihr Name bedeutet "Hüterin des Himmelsbogens" und auch sie hatte zwei Gesichter. Janua Coeli steht unter dem Himmelsbogen, damit erhalten wir eine Allegorie der Zeit, einer Zeit, die am Himmelsbogen mit Sonne, Mond und Sternen vorüberzieht. Januar Coeli schaut in vergangene und zukünftige Zeiträume und damit steht sie in einem Dreh- und Angelpunkt der Zeit. Deshalb haben wir es mit einer zeitlosen Zwischenzeit zu tun, in einer lunisolaren Kalendertradition, mit Mond und Sonne zugleich.

Himmelskoenigin Himmelsbogen sJeder Kalender bestimmt unseren Alltag und unser Leben und deshalb kann und darf es bei der Zeitmessung und Zeitordnung nicht um die Sonne allein gehen, wie es die julianische Kalenderreform durchsetzte, es muss auch um den Mond gehen, auch er bestimmt unser Leben. Und damit komme ich zur Nachfolgerin von Janua Coeli, zur Himmelskönigin Maria, zu Regina Coeli. Auf unzähligen Darstellungen steht sie auf einer Mondsichel, sie hat eine Verbindung zum Mond, und da liegt der religiöse Hintergrund von Lichtmeß. Der 2. Februar wird mit einem Hochfest Maria zu Ehren begangen, es geht um das kommende Licht das mit vielen Lichtern hervorgelockt werden soll. Der 2. Februar ist jedoch ein festes Datum in einem Sonnenkalender ohne Mond und deshalb entsteht keine Zeit für Zeitzwischenräume und Stille. Zur Zeit Janua Coelis nahmen sich die Menschen während der Jahreswenden offenbar noch die Zeit, auf die 2. Mondsichel nach der Wintersonnenwende zu warten, und in diesem Jahr ist es am 8. Februar soweit.

Auf dem Altarbild aus dem 12. Jahrhundert der Kirche San Nicola in Capalbio in der Toskana ist die Himmelskönigin unter dem Himmelsbogen zu sehen, rechter Hand Apostel Petrus mit einem Himmelsschlüssel. Petrus wurde zum Hüter der Himmelspforte und zum Nachfolger des römischen Gottes Janus.